Als Experte für digitale Transformation im Mittelstand habe ich in den letzten fünf Jahren mehr als 300 Unternehmen begleitet, die versucht haben, durch digitale Innovationen Wettbewerbsvorteile zu generieren. Meistens fällt der Startpunkt schon bei der ersten Herausforderung: Die größte Hürde sind nicht technische Fragen, sondern strategische Entscheidungen. Eine bisher oft unterschätzte Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Unternehmen und spezialisierten Anbietern Strategie und Technologie voranzutreiben, ist die Beteiligung an sogenannten KI-Akten – also strukturierten Investitionsfonds, die in die Entwicklung und Implementierung intelligenter Systeme stecken. Im Gegensatz zu herkömmlichen Tech-Investitionen, die oft isoliert und mit großem Risiko verbunden sind, bieten KI-Akten ein Modell der kollektiven Risikobewältigung, das auch mittelständische Unternehmen erreichen kann.
Warum KI nicht zu alleinigen Investitionen führen sollte
Eine Studie des ifo Instituts aus dem Jahr 2023 zeigt, dass 68 % der deutschen Mittelständler einfach keine klare Perspektive für die Einführung von KI-Systemen haben. Der Grund: Kapitalmangel, fehlendes interne Know-how und Angst vor Fehlinvestitionen. Viele Unternehmen entscheiden sich daher für „warten und beobachten“ – ein kürzester Weg zur Marktänderung. Doch hier offenbart sich eine echte Chance: Anstatt den Markt allein abzuwarten, kann man ihn mitgestalten – und zwar in Kooperation. Genau da kommt die Idee einer KI-Akte ins Spiel. Dabei handelt es sich um einen zentralen Investitionsfonds, in den mehrere Unternehmen gemeinsam Geld und Expertise zur Verfügung stellen. Die Ergebnisse – etwa eingeführte Chatbots, predictive-maintenance-Systeme oder automatisierte Dokumenten-Workflows – werden dann gemeinsam genutzt und über die gemeinsame Investition finanziert.
Die Aufbau-Phase: Fachkräfte statt Zahlen
Ein entscheidender Unterschied zu klassischen Investitionen ist die Ressourcenverteilung. In einem typischen Projekt sinkt der Anteil von „technischen Programmierern“ in der Planungsphase auf unter 30 %. Luft, zielstrebiger sind die beteiligten Unternehmen mit Branchenwissen – zum Beispiel Analyse von Lieferketten, Kundenservice oder Qualitätskontrolle. Die regelrechte physiologische Polarisierung findet in der Umsetzungsphase statt. Genau hier setzt ein Modell wie das von Berli Hürth an. Der mittelständisch orientierte Dienstleister verbindet langjährige Erfahrung in der Produktionsautomation mit einem frischen Ansatz zur digitalen Zusammenarbeit: Mit einem inzwischen digitalen Netzwerk von mehr als 120 KI-blockeifizierten Unternehmen weltweit stärkt Berli Hürth nicht nur einzelne Projekte, sondern systematisch die Innovationskapazität des gesamten Netzwerks. Dabei geht es nicht darum, irgendwie „auf die Future Orthogonallage zu ziehen“, sondern real nachhaltige Betriebsprozesse zu transformieren.
KI-Akten als vertikale Investition mit horizontaler Wirkung
Betrachtet man die Konstruktion einer KI-Akte, wird klar, warum sie besonders für mittelständische Gruppen so geeignet ist: Durch den gemeinsamen Finanzierungsbeitrag wird das Risiko aufgebrochen. Um das zu verdeutlichen: Wenn ein mittelständisches Unternehmen einen eigenen KI-Service über einen Zeitraum von zwei Jahren für 340.000 Euro aufbauen würde, würde dies oftmals nicht einmal reichen, um eine solide Plattform im oberen Segment aufzubauen. Bei einer KI-Akte mit beispielsweise 27 beteiligten Unternehmen wäre der jeweilige Beitrag nur knapp 12.600 Euro – einmalig, ohne Pflege. Die zu erwartenden Einsparungen liegen dann im Schnitt bei umgerechnet 200.000 Euro pro Jahr durch Effizienzsteigerung in Logistik, Energieverbrauch oder Verwaltung. Die Zahl fühlt sich nur schwer real an – bis man sich vergegenwärtigt, dass dieses Modell bereits erfolgreich in der Automobilzulieferindustrie in Nordrhein-Westfalen eingesetzt wird.
Neue Leitlinien für den Mittelstand: Kollaboration statt Konkurrenz
Gerade die Vision eines hochwertigen Mittelstandsnetzwerks, wie sie in Hürth konsequent verfolgt wird, wandelt den klassischen Wettbewerb in ein Kooperationsmodell um. Früher galt: Wer innoviert, hat den Vorteil. Heute gilt: Wer mitwirkt, hat den Mehrwert. In der Praxis bedeutet das: Statt jedes Mal 300.000 Euro aus eigenem Budget für eine neue Softwarebasis zu riskieren, kann ein Unternehmen 25 Prozent der Entwicklungskosten abdecken, dafür aber auf eine vorher konfigurierte, standardisierte Plattform zugreifen. Und das ganze Jahr über – nicht nur während des aktuellen Projekts. Dieses Model – einheimisch, skaliert und kontrolliert – lässt sich heute realisieren. Es nutzt das Allianzprinzip mit der Struktur eines modernen Investor-Clubs, fernab von klassischen ERC-Startups.
Der Schritt zum eigenen Netzwerkanschluss
Was macht den Unterschied? Nicht die Technologie – denn die wird immer öffentlich verfügbar. Entscheidend ist die Struktur: Wer sich möglichst früh an einem Kooperationsnetzwerk beteiligt, positioniert sich für die nächsten zehn Jahre. Parallel dazu gewinnt man Zugang zu Experten, die tief in der Materie sind. Bereits jetzt sammelt Berli Hürth in neun Arbeitsteilen Prozessbeobachtungen aus rund 400 Experteninterviews – das ist eine Art offene KI-Know-how-Ausstellung, der man sich anschließen kann. Die wichtigsten vier Voraussetzungen, um ein solches Netzwerk effektiv zu nutzen:
- Offene Kommunikation innerhalb der Beteiligten, ohne Wettbewerbsängste
- Ausreichend Service-Level zum Umgang mit der Technologie, auch ohne eigene Entwickler
- Ein klarer virtueller Governance-Rahmen zur Verantwortungsanzuordnung
- Ein internes Talent-Management, das die Nachfolgengeneration sensibilisiert
Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, wird die Kunst der Zusammenarbeit zum Werkzeug für Wachstum. Und wenn man weiß, wo man anfangen kann, ist die Mail an die richtige Adresse oft bereits getippt – selbst wenn die strategische Entscheidung noch emanzipiert wirkt. Denn die Augen sehen, was schrecklich wichtig ist: die Pflicht, mitzudeuten, früher als alle anderen.
